Wirtschaft, Arbeit, Zukunft: Wovon werden wir leben?
Bayern ist ein starker Wirtschaftsstandort. Allein acht der dreißig DAX-Unternehmen haben ihren Hauptsitz in München. In der Industrie wird jeder zweite Euro heute auf den Weltmärkten verdient. Gleichzeitig stellt der Mittelstand einen großen Teil der Arbeitsplätze bereit. Vom Energieanlagenbauer über Biotec-Unternehmen bis zur IT-Software-Schmiede: Ohne einen starken Mittelstand ebenso wie ohne den aufstrebenden Dienstleistungssektor gäbe es kein Wohlstand in unserem Land. Doch die Rahmenbedingungen ändern sich rasant: Klimawandel und Weltenergiekrise mit ihren Herausforderungen an den ökologischen Umbau unserer Volkswirtschaft machen es bitter notwendig, dass der Blaumann endlich grün wird, dass Wirtschafts- und Ressourcenwachstum sich entkoppelt und frühzeitig die Weichen in Forschung und Technologie gestellt werden, um auf den boomenden Zukunftsmärkten bestehen zu können.
Sind die großen Firmen eine Chance, unser Land zum ökologischen Wirtschaftsstandort Nr. 1 zu machen? Oder besteht hier gar ein unlösbarer Grundkonflikt?
Brauchen wir eine grüne Strukturpolitik, um Entwicklungsnachteile in den unterschiedlichen Regionen auszugleichen?
Welche Chancen bietet die regionale Wirtschaft? Wo können wir ansetzen?
Welche Möglichkeiten bietet die Forschungs- und Hochschullandschaft in Bayern?
Wie sieht der Arbeitswelt des/der mündigen ArbeitnehmerIn im 21. Jahrhundert aus?





Gern würde ich das Thema “große” vs. “kleine” Firmen diskutieren. Die reichlich banale Feststellung, dass möglicherweise ein “gesunder” Mittelweg in Sachen Größe das Gebot der Stunde sei, hilft hier aus meiner Sicht nicht weiter. Ebenso sind pauschale Positionen pro/contra einer gewissen Größenklasse sicher nicht zielführend. Die Probleme “zu großer” Untenehmen haben sich im Zuge der Finanzkrise klar gezeigt: Mangelnde Corporate Governance, die sich in mangelhaften Anreiz- und Kontrollsystemen niederschlägt. Hier ist die schiere Größe zum Verhängnis einer Bürokratie geronnen: Niemand ist mehr wirklich verantwortlich für das, was er tut – oder getan hat.
Diesen Nachteil haben kleinere Unternehmen seltener, da diese häufiger von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt werden. Ihr Handicap liegt dafür eher aufseiten der Finanzierung: Der Zugang zu “frischem” Kapital ist für die Kleinen regelmäßig mit höheren Hürden verbunden als für die Großen; die berühmten Transaktionskosten sind für die Kapitalgeber schlicht zu hoch.
Mit Ökologie – um meinen Kommentar in Bezug auf die obige Frage “rund” zu machen – hat das alles meiner Meinung nach rein gar nichts, mit Nachhaltigkeit im Sinne ökonomischer Vernunft schon deutlich mehr zu tun. Der Natur ist es vermutlich gleichgültig, ob sie von großen bürokratisch sich verselbständigenden Megakonzernen “nebenbei” nicht nur genutzt sondern auch noch im großen Stile verschmutzt wird, oder ob, bedingt durch die Größennachteile – Stichwort: Skalen(in)effizienz – viele kleine Ein-Mann-Buden jeweils ein eigenes kleines ungefiltertes Dieselkraftwerk / ein klimatisiertes Rechenzentrum / eine Dämpfe freisetzende Lackieranlage betreiben.
Beste Grüße
Marcus
@Marcus Danke für Deinen Beitrag. Corporate Governance und mangelnde Transparenz insbesondere bei Großfirmen sind sicher wichtige Stichwörter. Das Konzept der Nachhaltigkeit geht mit einer ganzen Menge sog. “Trade Off” Effekte einher, die im Zweifelsfall auch mal einen Gegenpol zur Vorstellungen bilden können “klein” und “dezentral” sei im Wirtschaftsleben der ausschließlich erstrebenswerte Zustand. Hab vor ein paar Wochen für die Grüne Jugend einen längeren Aufsatz zu Thema Nachhaltigkeit und den Herausforderungen verfasst: http://blog.dieter-janecek.de/2009/10/30/127/
Darüber hinaus wäre es mir wichtig, grundsätzlich die Wachstumsfrage anzusprechen. Die neue Bundesregierung hat ja nur ein formuliertes Ziel: (quantitatives) Wachstum zur Lösung aller Probleme. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass sie damit scheitern wird und unserer gesellschaftlichen wie ökologischen Entwicklung Schaden zufügt. Wir brauchen endlich eine deutliche Abkehr vom Wachstumswahn und müssen qualitative nachhaltige Ziele formulieren als Alternative hierzu.
@Dieter:
Völlig d’accord, was die genannten trade offs angeht.
Was mir nur nicht ganz klar ist: Wo verläuft die Grenze zwischen “normalem” Wachstum und dem von Dir diagnostizierten “Wachstumswahn”? Was würdest Du unter “qualitativem” Wachstum subsumieren? Wie oder woran kann man das wiederum messen?
ich denke auch, dass wir von der idee “quantitatives wachstum um jeden preis” wegkommen müssen. die idee treibt uns ständig in soziale und ökolgische dilemmata. klar profitiere ich als kapitalanleger (durch höhere zinsen) und als verbraucher (durch billigere produkte) davon, aber als arbeitender (ständiger druck, bessere leistung zu erbringen) und als bürger (demokratie als wettbewerbsnachteil) werde ich fast entmündigt oder marginalisiert.
umso absurder, wenn man bedenkt, wie wohlhabend wir schon sind, zumindest was das materielle angeht.
alternativen zum rein quantitativen wachstum wurden und werden schon entwickelt: z.b. das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Index_of_Sustainable_Economic_Welfare
wir grüne müssen einfach diese frage stellen:
was genau soll wachsen und warum und was soll nicht weiter wachsen und warum nicht!
“Wachstum”- ein sehr wichtiges Thema, das sich auch der LAK WiFi im neuen Jahr vornehmen wird. Und um das wir GRÜNEN uns vielleicht ein bisschen gedrückt haben bisher.Uns geht es im LAK darüber hinaus um die Ausrichtung der Wirtschaft ganz generell.Globalisierung, Wertedebatte, Industriepolitik, Gleichstellung, Vollbeschäftigung, Indikatoren für Unternehmenskultur und eben nachhaltiges Wachstum bzw. eine neue Definition von Wachstum sind bei unserem ersten 2010 -Thema einige der Unterpunkte. Wir freuen uns übrigens über alle, die da mitdiskutieren!
@Johannes:
Danke für den Link.
Ein bisschen problematisch finde ich die genannten Indikatoren “unbezahlte Hausarbeit”, “Bildung” und “öffentliche Ausgaben des Gesundheitswesens”. Bei ersterem stellt sich – vermute ich – ein drastisches Messproblem. “Bildung” ist international schwer zu vergleichen – man denke nur an das relativ einzigartige deutsche System der dualen Ausbildung, dass in seiner Qualität meiner Erfahrung nach so manchen “University”-Abschluss anderswo übertrifft. Bei den Ausgaben des Gesundheitswesens haben wir das klassische Mengenproblem – ob jetzt hohe Ausgaben wirklich “gut” im Sinne von “den Wohlstand steigernd” sind, ist wohl eher die Frage. Man betrachte nur gesundheitspolitisch fortschrittliche Staaten wie die Schweiz, die deutlich weniger in ihr Gesundheitssystem pumpen. Hier wären Effizienzkriterien – die viel “näher” an qualitativen Merkmalen sind – aus meiner Sicht zielführend.
Was haltet ihr von letzterem? Effizienz ist ja grundsätzlich eines der nachhaltigsten Paradigmen überhaupt, da es eben Verschwendung kenntlich- und damit kritisierbar macht.
@marcus:
du kannst dir auch mal diesen index anschauen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Happy_Planet_Index
den finde ich eigentlich besser
wichtig finde ich folgendes: wer in deutschland, wenn nicht die grünen, soll die idee pushen, dass “wachstum” nicht nur das bruttosozialprodukt betreffen soll?
lassen sich daraus nicht auch positive leitbilder entwickeln? nicht-wachstum wird doch bisher genauso wie “verzicht” negativ besetzt. ich verzichte aber gerne auf verkehrslärm, auch wenn es für das bruttoszialprodukt gut wäre, wenn noch mehr lkw’s bei mir am fenster entlangfahren. und wenn das bruttosozialprodukt (das eh nur bezahlte arbeit erfasst) erstmal stagniert, können doch trotzdem noch andere indikatoren steigen, die die lebensqualität spürbar verbessern und es erlauben, nicht immer nur “reicher” werden zu wollen.
@Johannes:
Allgemein formuliert, bedeutet “Wachstum” ja erstmal nichts anderes, als dass der “Kuchen”, den es zu verteilen gilt, immer größer wird. Daraus lässt sich dann auch recht einfach das Dilemma von Stagnation und Schrumpfung ableiten: Um den selben/kleineren “Kuchen” wird umso heftiger gestritten. Bekanntermaßen sind die materiellen Bedürfnisse der Menschen per se unstillbar…(Wobei hier nicht das Vernunftargument zieht, sondern das, was Shiller und Akerlof als “Animal Spirits” identifiziert)
Wir kommen wohl kaum daran vorbei, das wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik Verteilungsprobleme zumindest mildert – wenn auch durch schieres Hinausschieben.
Nebenbei: Ein wesentlicher “Vorteil” des Konzepts, “Wachstum” sei das in Geldeinheiten messbare “Mehr” liegt darin, dass es dermaßen simpel ist, dass es auf der ganzen Welt, in jedem Kulturkreis und jeder Sprache angewendet werden kann. Wohingegen beispielsweise die Definition von “Lebensqualität” schon etwas schwerer allgemeingültig möglich ist.
Die Wachstumsdebatte ist gerade angesichts der allein auf Wachstumskennziffern zielenden, kurzfristigen Konjunkturprogrammen der Bundesregierung aktueller denn je. Meine Grundüberzeugung: Wachstum ist immer Ergebnis, darf nicht Ziel sein. Beispiel: wenn ich den Wünschen der Menschen nach Mobilität unter Beachtung ökologischer Notwendigkeiten nachkommen will, werde ich deutlich in öffentlichen Verkehr und auch individuelle Mobilität (Fahrrad, Elektromobilität) investieren müssen. Das Ergebnis wird am Ende volkswirtschaftlich betrachtet Wachstum sein. Es ist aber möglicherweise der längere und auch unbequemere Weg (notwendiger Strukturwandel), gegen den alle etablierten Kräfte/Industrien sich sperren. Von dort kommt der (Lobby-)druck, dem sich gerade die Wespenkoalition beugt. Noch klarer wird das bei der Energiewende: Energieeffizienz, Energieeinsparung, Erneuerbare Energien: wenn wir das konsequent machen, wird ein höheres Wachstum erzeugt als bei der Beharrung auf den bestehenden atomaren und fossilen Energiequellen. Da kann man fast Branche für Branche durchgehen: Wer auf den – mal marktwirtschaftlich gesprochen – (echten) Kundennutzen schaut, erzeugt automatisch mit seinen Produkten Wachstum. Gerade bei Ressourcenschonung und ökologischem Ansatz. Nur Dumme und auf ihren Besitzständen beharrende haben das noch nicht gemerkt.
Wer ‘fundamentalistisch’ argumentiert oder ‘radikal’ handelt ist schon erstmal abgestempelt, klar. Dennoch rege ich an, mal die Sinnhaftigkeit von ‘Wachstum’ an dem Kriterion zu beurteilen, wie es gemessen wird: dem Brutto-Inlands-Produkt BIP.
Dieses ist völlig neutral in Bezug auf die Werte, die uns Grünen (und wir behaupten wichtig sind. Ein KFZ-Boom kann genauso viel bringen wie eine gleich-’wertige’ Erweiterung im Pflegebereich – hie aber Mensch, dort der größte derzeitige Ressourcenvernichter der Menschheit, ‘Schlüsselindustrie’.
In der Wirtschaft erhöhen Investitionen das ‘Vermögen’ eines Unternehmens. Was man vermag, ist ein Maß für die Effizienz des Handelns.
Diese nun muss auf Werte bezogen werden. Und da scheiden sich die Geister. Schneller Profit oder nachhaltiges Wirtschaften, unternehmerische Optionen (vulgo: Macht) oder Hilfe für den Menschen?
Seit Jahren (damals hieß es noch Bruttosozial-Produkt) rege ich an, die Bemessung des wirtschaftlichen Status mit einer Maßzahl “Brutto-Sozialvermögen” vorzunehmen. Hier müssten in einem ganz neuen Verfahren alle Fortschritte durch Investitionen und politisches Handeln nach menschlichem Maß bewertet werden. Eine gigantische Aufgabe ein System hierfür zu entwickeln, gewiss. Außerdem eine nur für kühne oder tollkühne Einzelgängerstaaten gegen den Rest der Welt – in Zeiten der Globalisierung: vergiss es. Wirklich?
Ein gerne zitiertes bonmot lautet: “.. vielleicht sind wir in den roten Zahlen, aber wir haben tolle Umsatzsteigerungen, die werden uns schon rausreißen …”. Ist es nicht auch sowas was wir mit den Wachstumsfitischismus betreiben?
@marcus
offensichtlich ist es schwieriger “lebensqualität” zu messen wie das steigen und fallen des brutto-sozialproduktes.
dennoch führt meiner meinung kein weg daran vorbei, politik an “lebensqualität” zu orientieren. eine kurzfristig orientierte wachstumspolitk führt doch quasi zwangsläufig darauf hinaus, dass man probleme, wie du sagst, “hinausschiebt”. man verlagert die lösung auf nachfolgende generationen, indem man z.b. soziale und ökologische kosten einfach externalisiert.
das schließt nicht aus, dass der kuchen größer werden darf. wie thomas sagt: wachstum kann das ergebnis sein, nicht das ziel.
2 beispiele noch:
1. in der psychologie ist es unumstritten, dass es einen zusammenhang zwischen materiellen gütern und glück gibt. aber nur bis zu einem gewissen sättigungspunkt. ab da macht mehr geld nicht glücklicher. dieser sättigunsgpunkt ist sowohl absolut (kein brot, kein glück sozusagen) als auch relativ (armut ist in dtld. z.b. relativ definiert). relativ große unterschiede in einer gesellschaft machen darüber hinaus nicht nur unglücklich, sondern kosten auch lebenszeit. in relativ ausgewogenen gesellschaften ist die lebenserwartung höher als in absolut gesehenen reicheren gesellschaften. da haben dann alle stress, die reichen und die armen.
2. ist ein verkehrsunfall nicht eine super sache für das wirtschaftswachstum? zumindest kurzfristig? da werden neue autos gekauft, krankenhäuser gefüllt, versicherung abgeschlossen, dafür muss mehr gearbeitet werden usw. wollen wir mehr verkehrsunfälle.
[...] bereits im Vorfeld abgegeben wurden und wer sich selbst noch zum Thema einbringen möchte, kann auf http://meinbayern.gruene-bayern.de vorbeischauen. Ansonsten hoffe ich natürlich auf rege Beteiligung und viele Ideen und Beiträge [...]
SPON schreibt zum Wachstumswahn: “Mehr Geld, mehr Aufschwung, mehr Schulden – im Kampf gegen die Krise steuern Bundesregierung und Banken einen gefährlichen Kurs: Den Staatsfinanzen droht eine jahrelange Misere. Der Wachstumskult hat die ganze Gesellschaft erfasst, ein Neuanfang ist dringend nötig.”
Wäre schön, wenn diese Einsicht sich in breiteren Kreisen der Gesellschaft durchsetzt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,662266,00.html
@Dieter:
Im selben Artikel steht auch: “Die Sozialdemokraten haben bei ihren Hartz-IV-Reformen und der Rente mit 67 erlebt, wo Politiker landen, die dieser Gesellschaft Verzicht abverlangen.”
Es ist doch illusorisch, Stagnation oder gar Schrumpfung als Ideal durchsetzen zu wollen. (Die resultierenden verteilungspolitischen Konflikte habe ich ja schon erwähnt, s.o.)
Ein Umerziehungsversuch der Menschen vom “Mehrwollenden” zum “Sichzufriedengebenden” ist – zumal mit Blick auf die in Sachen Wohlstand erst langsam aufholenden Drittweltländer –
geradezu zynisch. Oder möchtest Du das am Ende gar fallweise von einer Weltentwicklungsbehörde entscheiden lassen, wer quantitativ wachsen darf, und wer (nur noch) qualitativ zulegen muss? *SCNR*
“Verzicht” klingt so nach Jammertal.
Es ist ein Gewinn, das Hamsterrad nicht auch noch zu beschleunigen.
Es ist ein Gewinn, unseren Kindern auch noch Ressourcen übrigzulassen.
Es ist ein Gewinn, intelligente, effiziente Lösungen zu entwickeln und dafür weniger Ressourcen verwendet zu haben.
Diesen Gewinn vorantreiben, wer kann das so gut wie wir in den Industrieländern?
Bei uns in der Gruppe fand ich den Punkt spannend, dass es Bayern gerade auszeichnet die Gegensätze in einem Bundesland zu vereinigen. Ländliche Regionen und die großen Städte. Kleine Mittelständler und die großen Betriebe. Das sollten wir auch als Chance betrachten. Letztlich kommt es darauf an die richtige Mischung zu finden. Ich selbst bin ins Allgäu gezogen, weil es hier in meinem Feld (Hochleistungskeramik) eines der innovativsten Unternehmen Deutschlands gibt.
Ich würde mir manchmal einen stärkeren Blick über den Tellerrand wünschen. Im Zug habe ich mal eine junge Frau getroffen (ca. 25 Jahre), die das zweite Mal in ihrem Leben das Allgäu verlassen hat, um nach Stuttgart zu fahren. In meiner Abteilung (F&E) gibt es einen Allgäuer und der heißt Murat. Das ist sicher nicht repräsentativ, aber ich glaube das es für Kreativität auch wichtig ist Erfahrungen zu sammeln. Das ist zumindest immer mein Weg gewesen.
Das führt uns zum Punkt Bildung, der ebenfalls bei uns eine wichtige Rolle in der Diskussion gespielt hat. Ich versuche gerade eine engere Beziehung zur FH Kempten aufzubauen. Erst seit kurzem gibt es einen Prof dort, der sich mit Keramik befasst. ESK gibt es seit 1922 und es ist noch immer ein nicht unbedeutender Arbeitgeber in Kempten. In der Diskussion wurden Beispiele besprochen, wie junge Leute nach dem Studium wieder in die ländlichen Regionen zurück gelockt werden können. Wichtig ist es noch stärker lokale Cluster zu bilden.
Das waren zumindest ein paar der Punkte, die ich noch von unserer Diskussion in Erinnerung habe.
Was ist die Alternative zum Wachstumswahn? Diese Frage schlüssig zu beantworten, muss ein Leitprojekt der Grünen für die nächsten Jahre sein. Lasst uns die Diskussion beginnen und breit führen. Interview mit Reinhard Loske mit der taz zeigt uns schon mal die richtige Stoßrichtung: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/es-geht-um-einen-kulturwandel/
Noch ein Wirtschaftsgebiet mit zerstörerischem Wachstum, das aus meiner Sicht spezielle Antworten verlangt:
Wir mussten in den letzten Jahren erleben, wie eine deregulierte Finanzwirtschaft auf Kosten der Realwirtschaft überproportional gewachsen ist (in Wirklichkeit mit einer Art Schneeballsystem Scheinwerte aufgehäuft hat), was u.a. zum jüngsten Finanz- und Wirtschaftscrash führte, der jetzt auf Kosten der öffentlichen Haushalte bereinigt werden muss, mit geschätzten ca. 5% des weltweiten BIP.
Es scheint wenig Bewusstsein dafür zu geben, dass die Ursachen, die dies herbeigeführt haben, immer noch nicht beseitigt sondern im Moment nur durch eine beispiellose Geldschwemme der Notenbanken überdeckt werden. Wenn nichts grundlegendes geschieht, droht früher oder später das Platzen einer neuen Finanzblase (die schon am Entstehen ist), für die kein öffentliches Geld mehr vorhanden wäre.
Aktuell haben wir bei uns z.B. so etwas wie eine Kreditklemme, die den aufkeimenden Wirtschaftsaufschwung gleich wieder abzuwürgen droht, insolvente, durch eine Geldschwemme am Leben gehaltene Banken, unzulängliche Regulierung, ungerechtfertigte Bankerboni, drohende dauerhafte Währungsungleichgewichte etc., etc.
Die Maßnahmen der Regierung (staatliche Bad Bank, SOFFIN) werden in der Wirtschaftspresse zu recht als Rohrkrepierer bezeichnet, Ackermanns jüngster Vorschlag zu einem Mittelstandsfond scheint nicht viel besser zu sein.
Kurzfristig und langfristig haben wir hier jedenfalls ein Thema ohne dessen Lösung wir auch andere unserer Vorstellungen nicht werden realisieren können.
Ich habe keine Beiträge zu diesem Thema bemerkt (vielleicht nur überlesen), aber hoffentlich wird es beim weiteren Fortgang des Prozesses mit aufgenommen?
Diese Fragen können auch sehr gut im Wurzelwerk weiter diskutiert werden in den Gruppen:
Wirtschaftspolitik
und
GRÜNE BAYERN
Wirtschaft, Finanzen und Zukunft
Brauchen wir in Bayern überhaupt eine Landesbank?
Auch hier wurde weil ohne Gestaltungsgrundlage bzw. Aufgabe, viel Geld verbrannt. Hier wird doch deutlich wo Wachstumsgier hinführt, zu vielen, vielen Schulden. Mit viel Risiko und ohne Generationengerechtigkeit! Ich finde verkaufen bzw. abschaffen.
Das Problem der Landesbanken ist und war nicht die Wachstumsgier sondern das fehlende Geschäftsmodell. Dessen ungeachtet wollten die im Aufsichtsrat vertretenen und sonst wie partizipierenden Politiker aber regelmäßige Ausschüttungen sehen. Was sollte das Bankmanagement da anderes tun, als wild in der Gegend herumzuspekulieren? Ertrag ohne Risiko gibt’s nicht, aber Risiko um des Risiko willens (im Zweifelfalle paukt der dämliche Steuerzahler ja die Beteiligten wieder ‘raus) ist ein Wahnsinnsmotiv, das die Landesbanken offenbar für sich gepachtet haben.
Das der Finanzkrise zugrundeliegende Problem waren und sind die riesigen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, mit Ländern wie Deutschland und China mit starken Exportüberschüssen und anderen Ländern mit entsprechenden Defiziten. Dieses schlug und schlägt sich letztlich als Devisenvorräte oder -abflüsse bei den Banken nieder, die irgendwie angelegt resp. finanziert werden müssen.
Einige Länder haben ihre Devisenüberschüsse konservativ und vorsichtig vor allem in Staatsanleihen angelegt (z.B. China), in anderen Ländern (z.B. Deutschland) wurden Gelder riskanter angelegt, in kurzlaufende, nicht werthaltige (bekanntlich trotzdem von Rating Agenturen mit “AAA” bewertete) “Finanzinnovationen”, deren Platzen zu der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise geführt hat.
Das “fehlende Geschäftsmodell” der BLB (und anderer Landesbanken) ist also letztlich ein nicht tragbares Geschäftsmodell der deutschen und bayerischen Wirtschaft als “Exportweltmeister”.
Wie wir von diesem Modell wegkommen, muss ebenfalls, finde ich, im Meinbayern-Diskussionsprozess eine wichtige Rolle spielen.
Ansonsten: die BLB hätte schon sicherere Alternativen der Geldanlage gehabt (siehe Beispiel der Chinesen), aber offenkundig wollte die CSU-Landesregierung das nicht, sondern lieber das große Rad drehen …