Nach und nach dokumentieren unsere Moderatorinnen und Moderatoren der Workshops des Zukunftskongresses “Wachstum” die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen.
Referentin: Nicola Brüning (BMW Group, Leiterin Konzernbüro Berlin)
Moderator: Matthias Gauger
Geprägt hat diesen Workshop die Diskussion der Rollen kleinerer, mittelständischer und großer Unternehmen beim Umbau unserer Wirtschaft. Als Leitbild diente dabei der Vergleich eines Tankers mit einem Schnellboot. Während der Tanker träge und nur schwer umzusteuern ist, ist das Schnellboot wendig und manövrierfähig. Allerdings weitaus leichter vom Kurs abzubringen und somit gefährdeter.
Gerade im Bereich der Innovation sind kleine und mittlere Unternehmen folglich wesentlich flexibler und meist auch kreativer. Allerdings fehlen diesen oftmals die Mittel für größere Investitionen und auch für Entwicklungen im „großen“ Hightech-Bereich, der immense Vorableistungen erfordert und entsprechend großes Risiko birgt.
Insbesondere bei der Markteinführung, dem Schaffen einer Wahrnehmung und einem Image sind die großen Unternehmen in der Pflicht. Diese haben die Möglichkeit beispielsweise durch Werbung innovative, umweltfreundliche Produkte verstärkt unter die Leute zu bringen oder überhaupt ein Bewusstsein zu schaffen. Noch vor Jahren war der Benzinverbrauch für viele Menschen kein Kriterium beim Kauf eines Autos. Heute sind Begriffe wie „sparsam“ und „umweltschonend“ der Kern einer jeder Werbebotschaft. Entsprechend ändert sich die Nachfrage und andere Konzerne müssen genau diese Bedürfnisse befriedigen. Kleine Unternehmen bekommen diese Aufmerksamkeit in den seltensten Fällen.
Diese Vorreiterrolle der Großen setzt die Standards für die Mitbewerber. Aufgabe der Politik ist es diese Standards möglichst umweltfreundlich, sozialverträglich und weitgehend zu setzen. Die Zeiträume müssen viel ambitionierter werden.
Große Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und große Unternehmen bauen auch Arbeitsplätze ab. Den Zusammenhang zwischen positivem und negativem Unternehmenswachstum und der Zunahme bzw. Abnahme von Arbeitsplätzen stellte Frau Brüning anhand der Zahlen aus dem Jahr 2009 dar. Eine Umsatzminderung von 4,7% führte, trotz Kurzarbeit, zu einem Abbau von 3,8% der Arbeitsplätze. Geht man davon aus, dass große Unternehmen aufgrund ihrer Rücklagen wesentlich krisenresistenter sind, stellt sich hier die Frage, wie man Unternehmen in Zukunft ohne Wachstum gestalten kann.
Heute sind große Unternehmen somit aufgrund ihrer Struktur auch für den Wachstumszwang verantwortlich. Das Fortkommen von der Wachstumsorientierung ist allerdings nicht ohne die „Großen“ möglich. Dementsprechend gilt es diese in der Debatte mitzunehmen und einzubeziehen. Große Unternehmen, das zeigt auch die Vergangenheit und Gegenwart, sind oftmals wesentlich anpassungsfähiger als man ihnen zutrauen würde. Gerade im Automobilbereich ist die Transformation vom reinen Produzenten zum Mobilitätsdienstleister für integrierte Verkehrssysteme in vollem Gange.
Dementsprechend fiel auch unser Fazit aus: Die kleinen und mittleren Unternehmen sind der Innovationsmotor. Für eine breite Markteinführung in großer Menge und zum Setzen von Standards sind wiederum die großen Unternehmen vonnöten. So hat beispielsweise die Einführung einer Obergrenze für den durchschnittlichen CO2-Ausstoss der Flotte dafür gesorgt, dass BMW seinen Verbrauch von 1995 bis 2009 um fast 30% gesenkt hat. Weitergehende Regelungen würden demnach für noch stärkere Einsparungen sorgen. Letztlich liegt es an der Politik diese Rahmenbedingungen so festzulegen, dass Neuentwicklungen nachhaltig und umweltschonend sind und soziale Standards eingehalten werden.
Ein Auto mit 3 Rädern:
Wirtschaflich logo! (Geldgier)
Sozialverträglich klar! (Alle wollen einen BMW)
Umweltfreundlich natürlich! ( immer mehr “Pferde” unter der Haube)
Moral fehlt ! (Beim Ethik-TÜV leider durchgefallen)