Nach und nach dokumentieren unsere Moderatorinnen und Moderatoren der Workshops des Zukunftskongresses “Wachstum” die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen.
Referent: Peter Unfried (taz)
Moderatorin: Katharina Schulze
Wir denken die Welt hätte einen Konsens, dass etwas gegen den Klimawandel geschehen muss, den gibt es aber nicht. Viele Gruppen in unserer Gesellschaft sehen das (noch) nicht so. Wie schafft man es, die Fakten klar zu machen und ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, damit sie an einem Wandel der Gesellschaft teilhaben?
In unseren Workshops haben wir zwei Lösungswege dazu erarbeitet, die parallel laufen müssen:
Ein ökologische Lebensstil muss von der gesamten Gesellschaft gelebt werden. Ökologischer und verantwortungsbewusster Konsum führt zu kulturellem Wandel. Ökologische Produkte sollen die „must have“- Produkte werden. Durch Werbung, positive Emotionen und Kommunikation kann man dies vorantreiben. Verzicht darf nicht als negativ deklariert werden, sondern lieber aufzeigen, was man alles gewinnt, wenn man ökologisch korrekt konsumiert und auf was man im Moment alles verzichtet durch den jetzigen Konsum. Wenn die große Masse der Bevölkerung verantwortungsbewusst konsumiert, hat das eine große Wirkung auf die die gesamte Wirtschaft und andere Gruppe – diese ziehen nach.
Gleichzeitig braucht man die politischen Rahmenbedingungen und Strukturen, damit ökologischer Konsum allen Menschen ermöglicht wird. Die Benutzung des ÖPNV als positiv zu vermarkten hat keinen Sinn, wenn es in dem Ort keinen gibt, ebenso wenn sich die Menschen ökologisches Essen nicht leisten können. Die Politik ist also gefragt diese Rahmenbedingungen zu steuern. Ein Beispiel dafür ist die stärkere Subvention von ökologisch korrekten Produkten durch den Staat.
Für uns Grüne und den Prozess „Mein Bayern“ ist uns aufgefallen, dass wir uns noch konkreter mit den einzelnen Punkten beschäftigen und klare Lösungen aufzeigen müssen. Mehr Visionen und Phantasie zulassen, wurde immer wieder angesprochen. Daneben der Gedanke, dass wir uns auch mal auf Kooperationen mit Gruppierungen einlassen sollten, die vielleicht nicht „urgrün“ sind. Diese Synergien kann man nutzen um den Wandel in der breiten Gesellschaft voranzutreiben. Um dies zu tun, müssen wir Grüne uns auch intern mit unserem Selbstverständnis beschäftigen. Denn die Zeit drängt – das wissen wir, jetzt müssen wir es die anderen auch wissen lassen!
Ökologischer Lebensstill hört sich für viele zu Abstrakt an, vielleicht muss man hierzu einfach auf die positiven Beispiele der letzten 30 Jahre hinweisen: Könnte man heute wieder im Rhein baden, wenn wir heute nicht so hohe Umweltauflagen in unserem Land hätten? Davon hat jeder Einzelne profitiert. Das muss man den Leuten aber mal klar machen!
Ich lehne neue Subventionen auch für ökologisch Produkte völlig ab. Statt dessen müssen wir kosequent, Produkte, Technologien und Dienstleistungen die viel Ressourcen verbrauchen, massiv besteuern, wie z. B. das Flugzeug, LKW, ……
Ist es wirklich so, dass sich manche “Menschen ökologisches Essen nicht leisten können”?
Was sich natürlich viele nicht leisten können, ist, die Naturkostladen-Variante der landläufigen Konsumkultur zu leben.
Aber wer aus saisonalen Grundnahrungsmitteln regionaler Herkunft selbst kocht und seinen Fleischkonsum reduziert, ernährt sich im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt bedeutend gesünder, ökologischer und keineswegs teurer, auch wenn dann vielleicht nicht auf allem was er/sie kauft, ein BIO-Label klebt. Und aus 1/5 hochwertigem Apfelsaft und 4/5 Leitungswasser mache ich mir ein weit besseres und billigeres Erfrischungsgetränk, als ich es je fertig im Supermarkt kaufen kann.
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Wandel ist auch im Denken erforderlich und bei der Wahl der politischen Steuerungshebel:
Wandel mit alten Mitteln herbei führen zu wollen, greift schon im Ansatz zu kurz.
[Beispiel Jugendkriminalität:
Ist-Situation = Haftstrafe,
Wandel mit herkömmlichen Methoden führt zu Soll = Therapie.
Wirksamer sind neue Ansätze
a) früher (vor der Tat, Schule, Kindergarten, Elternbildung)
b) umfassender (Werte-Bewusstsein, Ethik-Unterricht, Beschäftigungs-Alternativen, Handlungs-Alternativen, Emotionale Bildung, Anerkennung, Ziele, Vorbilder).]
Im konkreten Fall ist also reine Subvention von Öko-Produkten eine Markt-Verzerrung mit Bereicherung von Produzenten und Preisvorteil auch für Wohlhabende.
Eher müssen alle Kosten weltweit nach dem Verursacher-Prinzip umgelegt werden (statt wie heute in großen Teilen zu Lasten von Umwelt und Gesellschaft) und nur bedürftige Menschen weltweit “subventioniert” werden.
Was zählt ist einzig die positive ÖKO-Bilanz, alles andere kann sich die Menschheit auf Dauer nicht leisten.
Im Übrigen leben wir nicht auf einer Insel der Glückseligen und selbstverständlich ist eine Ko-Operation mit allen nötig, denn wenn auch nur ein einziger Wohlfühl-(bzw. Überlebens)-Faktor kippt, leiden alle (auch wir Grünen).
Beispiel: beißender Rauch in Moskau macht z. Z. alle anderen Annehmlichkeiten wertlos.
Bewirken wir keinen Wandel, steuern wir geradewegs auf genau solche Situationen zu und zwar weltweit und deshalb ohne Flucht-Möglichkeiten.
Andere Umwelt-Sünden führen nämlich noch direkter zu unsäglichem Leid und qualvollem Tod. (Wasser-Verseuchung z. B. durch Cyanid beim Gold-Abbau, Pestizide, Agro-Chemie, ungereinigte Industrie-Abwässer etc.)
„Wenn der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, daß man Geld nicht essen kann“
„Wenn viele Kleine viele kleine Dinge in ihrem Leben ändern, wird sich die Welt ändern“