Workshop: Regionales Wirtschaften

Nach und nach dokumentieren unsere Moderatorinnen und Moderatoren der Workshops des Zukunftskongresses “Wachstum” die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen.

Referent: Heiner Sindel (Bundesverband der Regionalbewegung e.V.)

Moderatorin: Jutta Deinbeck

„Wer weiter denkt -  kauft näher ein“, so lautet das Jahresmotto der Regionalbewegung, deren Bundesvorsitzender Heiner Sindel mit uns über regionales Wirtschaften diskutierte.

Regionales Wirtschaften ermöglicht uns, so Sindel, mit der Natur und in der Gesellschaft zu wirtschaften und ist daher für nachhaltiges Wirtschaften unverzichtbar.

Wenn die Güter in der Region erwirtschaftet und möglichst vor Ort konsumiert werden, werden die Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Gesellschaft unmittelbar sichtbar und können besser beeinflusst werden.

Die Auswirkungen auf uns, unser Umfeld und die Gesellschaft wurde in unserem Workshop durchwegs positiv bewertet:

Das Wirtschaftswachstum wird vom Verkehr abgekoppelt, also mehr Wachstum bedeutet nicht gleich mehr Verkehr. Vielmehr ermöglichen kurze Wege, berufliche und private Mobilität sowie Transporte zu reduzieren. Ein Plus an Lebensqualität und Umweltschutz.

Auch die Wirtschaft profitiert: Wenn die Wertschöpfung in der Region gebunden wird, wird die Nachfrage vor Ort gestärkt.

Die vielfältigen, kleinen und mittleren Unternehmen sind in die Sozialstrukturen vor Ort eingebunden und zeigen dadurch mehr Verantwortung, wenn es um den Erhalt von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen geht.

Kleinteilige, eigenverantwortliche Wirtschaftsstrukturen bieten mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Mitwirkung. Ein Beispiel dafür ist die

Energieproduktion in Bürgeranlagen als Alternative zu den großen Energiekonzernen.

Durch die Gründung von Genossenschaften zur gemeinsamen Vermarktung regionaler Produkte, werden die Prozesse ökologischer und wirtschaftlicher. Gleichzeitig können sich die Erzeuger bei politischen Entscheidungen besser positionieren.

Derzeit gibt es aber noch viele praktische Probleme, unter denen die kleinen Betriebe vor Ort leiden.

Zum Beispiel führen teils übertriebene Kennzeichnungspflichten dazu, dass sich die Produktion kleinerer Stückzahlen häufig nicht lohnt. Würde die Normierung von Lebensmitteln wieder reduziert, könnten die lokalen Erzeuger durch neue, vielfältigere Produkte punkten.

Ein Verzicht auf zu viel Standardisierung und Kennzeichnung bedeutet aber mehr Verantwortung und Kompetenz bei den Konsument/innen, die sich selbst wieder bewusster mit den Produkten auseinandersetzen müssen.

Im Workshop wurde klar, dass regionales Wirtschaften nur mit Marktteilnehmer/innen funktioniert, die Produkte und Dienstleistungen aktiv regional anbieten und einkaufen.

Global agierende Unternehmen können ihren Beitrag dazu leisten, indem sie regionale Lieferantenbeziehungen besonders pflegen und ausbauen.

Damit die Konsument/innen verstärkt vor Ort einkaufen, müssen die örtlichen Betriebe auch ihren Service erhöhen. Wenn z.B. der Dorfladen zu früh schließt, wird der Einkauf am Heimweg von der Arbeit im Supermarkt erledigt. Dabei müssen die Auswirkungen auf Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden.

Öffentliche Institutionen wie Gemeinden und Behörden sind ebenfalls große Kunden, die durch ihr Einkaufsverhalten viel für die regionale Wirtschaft bewirken können. Das neue EU-Ausschreibungsrecht hilft dabei.

Nicht zuletzt hat auch die Politik etwas davon:

Wenn die Kaufkraft in der Region bleibt, wird die Handlungsfähigkeit der Kommunen und Landkreise gestärkt. Regional verankerte Unternehmen steigern ihr Ansehen und Bürger/innen, die vor Ort gute Lebensbedingungen vorfinden, identifizieren sich mit ihrer Region. Es wächst ein starkes, vielfältiges Netz, das auch in Krisenzeiten belastbar ist.

Unser Fazit: Regionale Märkte sollen wachsen damit negative Begleiterscheinungen der bisherigen Wirtschaftsweise schrumpfen!

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