Der Workshop “Bottom up” behandelte das Thema parteiinterne Kommunikation und wie sich diese durch das Web 2.0 verändert. Rund 30 TeilnehmerInnen wollten in der letzten Workshop-Phase des Tages mit Malte Spitz, dem grünen „Mr. Web“ aus dem Bundesvorstand, und dem Kommunikationsberater Florian Semle dieses wichtige Thema diskutieren.
Dieser Bericht stammt von Christian Höbusch, der diesen Workshop auch moderiert hat.
Bedeutsam ist das Thema deshalb, weil es hier insbesondere um parteiinterne Partizipation auch außerhalb formaler (Partei)Strukturen geht und diese Beteiligung eben auch und immer mehr auf elektronischen Weg über das Netz stattfindet.
Nach einer kurzen Einführung in das Thema trug zunächst Malte Spitz seine Gedanken zum Thema den TeilnehmerInnen vor. Er zeigte auf, welchen Stellenwert die politische Kommunikation bereits im Web hat und wie politische Information stattfindet. Dabei ging es selbstverständlich zunächst hauptsächlich um den Blick von Außen.
So habe bei den Parteiseiten www.gruene.de im April 2011 einen beachtlichen zweiten Platz, bezogen auf die Zugriffszahlen, die Anzahl der aufgerufenen Seiten und die Verweildauer, belegt (vgl. www.andere-parteien.de).
Bei den Quellen, aus denen die NutzerInnen im Netz ihre politischen Informationen beziehen, liegen die Websites von Parteien (im Allgemeinen) allerdings nur im Mittelfeld. Die Internetangebote der „klassischen“ Printmedien (Zeitschriften, Magazine, Zeitungen) stehen hier weiterhin unangefochten an der Spitze.
Aber mehr als 55% der Befragten erachteten in einer Erhebung das Internet bereits als das wichtigste Medium („eher wichtig“ und „sehr wichtig“), um sich über die Ziele der politischen Parteien eine Meinung zu bilden. Nach dem Eingangsreferat von Malte wagte dann Florian Semle mit den TeilnehmerInnen ein kleines Experiment.
Er übertrug das „Cluetrain Manifest“ (http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html) aus dessen ursprünglichen Bereich der Beziehung von Kunden/Mitarbeitern zu Unternehmen auf Parteien. Über die Funktion „Suchen und Ersetzen“ tauschte er dort schlicht „Unternehmen“ durch „Partei“ aus.
Auf der Grundlage dieses „Tausches“ stellte er dann markante 5 Thesen aus dem abgeänderten „Cluetrain-Manifest“ im Sinne eines Gedankenexperiments den TeilnehmerInnen zu Diskussion.
Die Thesen und die daraus abgeleiteten Fragestellungen lauteten:
1. Wie sieht eine grüne Partei aus, die wie ein soziales Netzwerk funktioniert?
2. Wo sollte man offener sein als bisher, offener als andere Parteien?
3. Wo könnte es neue offene Mitgestaltungsmöglichkeiten für Nichtmitglieder geben
4. Wie können die Grünen basisnäher im Netz werden (parteiintern und –extern)?
5. Wo sprechen die Grünen eine ganz andere Sprache als die Digitalen? Wie sieht die Sprache des Dialogs aus? Und dann ging die „eigentliche“ Workshoparbeit erst los.
Die TeilnehmerInnen wurden in zwei etwa gleich große Gruppen aufgeteilt und diskutierten danach gemeinsam mit dem jeweiligen Referenten dessen Thesen und Fragestellungen.
Im Rahmen eines Brainstormings schrieb die Gruppe um Malte Spitz zunächst ihre Wünsche und Erwartungen an die parteiinterne Kommunikation auf, bewertete (bepunktete) diese, um gleich danach die Top3-Punkte noch eingehender zu erörtern. Dies waren/sind:
1. Alle parlamentarischen Initiativen in Bund und Ländern auf einer Archiv-Plattform
2. HP + Wurzelwerk userfreundlicher (schnelles Finden, selbsterklärend…)
3. Alle Veranstaltungen auf Bundes- u. Landesebene streamen und Streams archivieren
Über diese Punkte und deren Bedeutung sowie erste Umsetzungsidee entspann sich eine rege Diskussion in der TeilnehmerInnen-Gruppe. Zur Archivierung von politischen Initiativen wurde beispielsweise angemerkt, dass eine solche zentrale Sammlung ganz erheblichen Aufwand verursachen könnte und sich da auch ein Ansatz „bottom-up“ von der kommunalen Ebene aus anbieten würde. Malte versprach am Ende der Diskussion natürlich auch die anderen Ideen mitzunehmen.
Die Gruppe um Florian Semle stellte im Anschluss daran die Ergebnisse ihrer Diskussion vor. Sie hatten sich mit den fünf Fragen aus dem Cluetrain-Manifest beschäftigt und dabei nach Gründen und Lösungen gesucht, warum Kommunikation vor dem Hintergrund des „Digitalen Wandels“ innerhalb einer Partei – im Gegensatz zu sozialen Netzwerken und den „Digital Natives“ – schwieriger funktioniert und was es tun gäbe.
Welche Punkte wurden nun in dieser Gruppe gefunden?
Hier die „Key-Points“:
- Ein Grund weshalb die Partei (noch) nicht wie ein soziales Netzwerk funktioniere sei, dass viele aktive Mitglieder mit viel Funktionen und Aufgaben schon ausgelastet seinen. Daher gelte es – so wurde in der Diskussion festgehalten – noch mehr Mitglieder für die aktive Mitarbeit in den Kreis- und Ortsverbänden zu gewinnen.
- Die Grünen können offener als andere Parteien sein. Dazu sei es nötig, die Kommunikation als Schnittstelle zwischen den Mitgliedern, aber auch den Nichtmitgliedern zu verstehen, und gut zu pflegen. Weil hier entscheide sich, ob man als träge oder als schnell wahrgenommen werden. Das Zuhören müsse dabei stets auch immer in beide Richtungen gehen.
- Wichtig sei weiterhin zur Schaffung von Offenheit, dass die Prozesse in der Partei bis zum Ende hin mit größtmöglicher Transparenz ablaufen.
- Um die mehr Offenheit auch für Nichtmitglieder herzustellen, sollte die Partei schneller von Außen kommende Ideen aufgreifen und in der Partei „verarbeiten“.
- Schließlich müsse man sich bemühen, vor allem im Digitalen Raum, noch besser zu erklären warum Politik notwendig sei und wie sie abläuft. Damit könnte dann auch Verständnis geschaffen werden, weshalb manches Thema in der Bearbeitung eben „andauere“.
Im Anschluss an die Vorstellung der einzelnen Thesen gab es in der verbleibenden, leider allzu kurzen, Zeit bis zum Ende des Workshops unter den TeilnehmerInnen eine ganz lebhafte Diskussion. Einig waren sich die TeilnehmerInnen, dass durch das Netz die große Chance bestehe, mehr Transparenz und Kommunikation zu schaffen. Eine Jede/ein jeder könne dazu in ihrem/seinen ganz persönlichen „Partei“-Umfeld dazu viel beitragen.